| [ Home]| [Events]| [Articles]| [Links]| [Bulletin Board]| [Mail]

Wild Women - Das kleine aber sehr feine Jazz-Label Go Jazz", welches 1990 mit dem Anspruch gegründet wurde, Musik mit hohem künstlerischem Gehalt ohne einengende Grenzen zu produzieren, legt uns eine weitere seiner speziellen Trouvaillen vor. Wie bereits mit seinen hervorragenden Veröffentlichungen von Georgie Fame, Ben Sidran, Will Lee, Georgia, Bob Malach oder Ricky Peterson gelingt es auch mit Di Anne Price zu überzeugen und anspruchsvolle Musiklücken zu schliessen. Diese Musik ist eine der Entdeckungen, die es wert sind, gemacht zu werden, wenn auch die CDs nur in denrar gewordenen guten Fachgeschäften zu finden sind. Der jazzige Blues ist ihre Heimat, mit ausdruckstarker Stimme und ungewöhnlich gutem Pianospiel lässt sie die grosse Zeit des Blues einer Bessie Smith oder Alberta Hunter aufleben. Di Anne Price lebt den Blues auf ihrem Album Wild Women" insbesondere mit Themen aus der weiblichen Sicht der Dinge.

Di Anne Price & her Boyfriends:
To Hell With Love
(Eigenvertrieb, ca. 66:00)
To Hell with Love ist nach Wild Women und A Good Man Is Hard to Find das dritte in Eigenregie veröffentlichte Album der außerhalb ihrer Heimatstadt Memphis kaum bekannten schwarzen Bluespianistin und Sängerin Di Anne Price. Entsprechend dem von Doc Pomus verfaßten Titelsong setzen sich die ausnahmslos gecoverten Songs mit unterschiedlichen Aspekten von Liebe und Beziehungen zwischen Mann und Frau auseinander, von Memphis Minnies Lonesome Shack über Percy Mayfields At The Club bis hin zu Lyle Lovetts Shes No Lady, Shes My Wife. Dies macht die CD zwar noch nicht, wie uns die Linernotes von John Floyd glauben machen wollen, zu einem Konzeptalbum (denn das wäre ja dann so ziemlich jede Bluesplatte). Immerhin aber ist damit der Grundstein für eine schöne, kleine, zeitlose Bluesscheibe gelegt. Di Anne Price hat eine rauchige, manchmal ans heiser-kratzige grenzende Stimme, die von einer jahrzehntelangen semiprofessionellen Musikertätigkeit in schummrig beleuchteten Hotelbars und zahllosen kleinen Läden von Beale Street bis East Memphis (wo sie im Moment ein regelmäßiges Engagement in einem Chinarestaurant hat) zeugt. Der Gesang der wohl um die 50 Jahre alten Musikerin tendiert eher zur relaxt-jazzigen als zur souligen Seite des Blues - spontane Assoziationen mit vorgerückten Stunden, halbleeren Whiskygläsern und letzten Zigaretten lassen sich für den Zuhörer nur schwer unterdrücken. Am neben ihrer Stimme zumeist im Vordergrund stehenden Piano erweist sich Frau Price als sehr kompetente aber angenehm unprätentiöse Stridepianistin mit ausgeprägtem Bluesfeeling. Das hohe musikalische Niveau wird durch ihre Boyfriends, die aus den Jazzmusikern Jim Spake (sax), Tim Goodwin (upr. bs.) und Tom Lonardo (dr) bestehende excellente Begleitband, noch gesteigert. Stilistisch werden, wie oben schon angedeutet, neben weniger bekannten 12-Taktern auch einige Songs aus der R&B-Ecke dargeboten, darunter ein sehr lebendiges Cover von Ray Charles Sticks and Stones, weiterhin der Titelsong, der mir hier mindestens genauso gut gefällt wie die Version von Dr. John und nicht zuletzt meine persönliche Lieblingsnummer der Scheibe, Lil Hardins Just for a Thrill.
Bluesladies scheinen ja wieder etwas auf dem Vormarsch zu sein, aber eine schnörkellos glaubwürdige Sängerin und authentische Bluespianistin wie Di Anne Price ist der Fund einer Stecknadel im Heuhaufen. Wer gerne mehr über die äußerst sympathische Musikerin erfahren oder eine ihrer CDs erwerben möchte (vom billig gemachten Cover sollte man sich davon nicht abschrecken lassen), wendet sich am besten direkt an ihre Website (www.dianneprice.com), da zumindest das vorliegende Album meines Wissens außerhalb von Memphis nicht erhältlich sind.
Tilmann "T-Man" Michalke from Bonn/Germany
| [ Home]| [Events]| [Articles]| [Links]| [Bulletin Board]| [Mail]